Ich bemerke, dass hier zwar die Teilnehmer über ihre "außergewöhnlichen" Beziehungen sprechen, aber man sich doch sehr mit den Gefühlen zurückhält. Gefühle entstehen und vergehen so wie alle anderen Phänomene auch. Es gibt eine Zeit in einer Beziehung, wo gerade die Trennung einem sehr viel Energie gibt, sein Leben in die Hand zu nehmen und seine Lebenswelt so zu gestalten, dass trotzdem der emotionelle Freiraum für die Fernbeziehung bleibt. Man lebt auch von der Spannung des Getrennt-Seins und Vereint-Werdens. Ich erlebe Menschen mit solchen Beziehungen in den Anfangsjahren als sehr stark und auch kreativ. Sie empfinden nicht so die Notwendigkeit, jeden Tag mit dem Partner zu verbringen und bringen auch sehr viel Liebe in ihre Beziehungen ein.
Ich habe das immer wie einen Vulkanausbruch erlebt.
Doch irgendwann spielte sich der Vulkanausbruch nur mehr in der Phantasie ab und ich konnte auch das Vereint-Sein nicht mehr so genießen, da das Damoklesschwert der Trennung bereits im Vorhinein über unserer Beziehung schwebt. Ab da wurde es dann sehr schwer für mich. Ich habe dann für mich die Lösung gefunden, zu lernen, emotionell nicht zu klammern. Und das auch nicht von meinem Partner zu erwarten. Wir hatten schöne gemeinsame Zukunftspläne, doch ohne Arbeitsgenehmigung und ohne Geld war der Traum den gemeinsamen Lebens schnell aus geträumt. Selbst wenn wir geheiratet hätten, hätte mein Mann auf seine Karriere verzichten müssen und das hätte ihm seine wirtschaftliche Basis entzogen. Und dann wäre vielleicht einmal der Vorwurf im Raum gestanden: wir haben nur wegen der Genehmigung und dem Geld geheiratet. Wir sehen das auch als
Prüfung an, jetzt nicht zusammenleben zu können. Nur quälen wir uns nicht mit der Exklusivität unserer Beziehung sondern lassen uns auch den Freiraum zu sagen es geht nicht mehr, ich will das nicht mehr aufrecht erhalten. Seitdem haben wir wieder viel mehr Luft in unserer Beziehung und ich heule nicht mehr, wenn ich ein Pärchen händchenhaltend herumgehen sehe sondern freu mich für sie - und bin froh, wenn ich die Tür zu meiner Wohnung zumachen kann und ganz einfach ich selbst sein darf. Ich sehe, wie fordernd Beziehungen zwischen Menschen sind, die zusammenwohnen und sich täglich sehen (müssen).
Ich sehe ganz einfach die Vorteile und auch die Nachteile unserer und anderer Beziehungen. Ich denke nicht mehr, dass sie gar so außergewöhnlich ist.
Wir alle wollen frei sein, wir alle wollen Beziehung leben. Jeder hat sein Leid mit sich herumzutragen. Freiheit hat ihren Preis. Und selbst oder weil man getrennt lebt ist da in einem selbst eine große Sicherheit, dass man vom anderen geliebt wird. Und solange man das Gefühl hat, geliebt zu werden, solang hat man auch die Kraft, sein Leben sinnvoll zu gestalten. Bedeutet: ich glaube daran, dass ich geliebt werde, auch wenn ich keine Beweise dafür habe. Und das ist ein Kraft, die sehr stark werden kann . Wer die Kraft des Glaubens an die Liebe spürt, der ist nie mehr einsam.
Tja, ich hab das hier alles ohne viel Nachdenken geschrieben, ich hoffe es hilft euch ein wenig, wenn ihr euch wieder mal einsam fühlt. Alles Gute euch und euren Partnern!