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Ratgeber · Stand Oktober 2026 · 4 Quellen

Bräuche & Traditionen in Österreich im Jahreslauf

Krampus, Sternsinger, Fasching, Maibaum oder Almabtrieb: Die wichtigsten österreichischen Bräuche durchs Jahr, einfach erklärt für Neuankömmlinge.

Kurz erklärt
  1. Viele österreichische Bräuche haben einen christlichen oder bäuerlichen Ursprung und unterscheiden sich stark von Region zu Region.
  2. Am 5. Dezember ziehen Krampusse durch die Straßen. Das kann Kinder erschrecken, die den Brauch nicht kennen.
  3. Zwischen Weihnachten und 6. Jänner sammeln Sternsinger Spenden und schreiben einen Segen an die Haustür.
  4. Die Ballsaison beginnt am 11. November; in Wien finden jedes Jahr mehr als 450 Bälle statt.
  5. Mitmachen ist fast immer willkommen. Niemand muss dabei seinen eigenen Glauben aufgeben.
Inhalt dieser Seite (6 Abschnitte) Winter: Advent, Krampus und WeihnachtenFasching: die „fünfte Jahreszeit“Frühling: Ostern und MaibaumSommer: Feuer in den BergenHerbst: Almabtrieb, Erntedank und AllerheiligenMitmachen oder nicht?

Wer neu in Österreich ist, begegnet bald Dingen, die zuerst seltsam wirken: Gestalten mit Hörnern und Glocken im Dezember, Kreide-Zeichen über Haustüren, ein riesiger geschmückter Baumstamm am Dorfplatz. Hinter all dem stehen Bräuche, also Traditionen, die oft seit Jahrhunderten gepflegt werden. Viele haben einen christlichen oder bäuerlichen Ursprung, andere sind älter. Auf dem Land werden sie meist stärker gelebt als in der Stadt, und fast jede Region hat ihre eigenen.

Dieser Ratgeber geht einmal durch das Jahr. Die gesetzlichen Feiertage und ihre Termine findest du im Ratgeber Feiertage in Österreich.

Winter: Advent, Krampus und Weihnachten

Advent

Die vier Wochen vor Weihnachten heißen Advent (lateinisch für „Ankunft“). Typisch sind:

  • Adventkranz: ein Kranz aus Tannenzweigen mit vier Kerzen. An jedem Adventsonntag wird eine Kerze mehr angezündet.
  • Adventkalender: Kinder öffnen vom 1. bis 24. Dezember jeden Tag ein Türchen.
  • Christkindlmärkte (Adventmärkte): Stände mit Punsch, Glühwein, Maroni (gebratenen Kastanien) und Handwerk. Es gibt fast immer auch alkoholfreien Kinderpunsch.

Nikolaus und Krampus (5. und 6. Dezember)

Am 6. Dezember ist der Tag des heiligen Nikolaus. Er besucht Kinder, oft schon am Vorabend, lobt sie und bringt Nüsse, Mandarinen und Schokolade. Kinder stellen dafür in der Nacht ihre Schuhe oder Stiefel vor die Tür.

Sein Begleiter ist der Krampus: eine Gestalt mit Fell, Hörnern, einer furchterregenden Holzmaske und lauten Glocken. Rund um den 5. Dezember finden vor allem in Salzburg, Tirol, Kärnten und der Steiermark Krampusläufe statt, bei denen Gruppen in Kostümen durch die Straßen ziehen. Dabei kann es laut und wild zugehen.

Für Kinder, die den Brauch nicht kennen, kann der Krampus sehr erschreckend sein. Erklär ihnen vorher, dass es sich um verkleidete Menschen handelt. Wenn du bei einem Krampuslauf zuschaust, halte Abstand zu den Absperrungen. Niemand muss sich anfassen oder mit der Rute schlagen lassen.

Weihnachten

Gefeiert wird vor allem am Heiligen Abend (24. Dezember). Die Familie schmückt einen Christbaum, singt Lieder wie „Stille Nacht, heilige Nacht“ (es stammt aus dem Bundesland Salzburg) und packt Geschenke aus. Die Geschenke bringt in Österreich traditionell das Christkind, nicht der Weihnachtsmann. Viele gehen um Mitternacht in die Christmette, den Gottesdienst in der Heiligen Nacht.

Rauhnächte und Perchten

Die Nächte zwischen Weihnachten und dem 6. Jänner heißen Rauhnächte. Früher glaubte man, dass in dieser Zeit böse Geister unterwegs sind. Daher kommen die Perchtenläufe, besonders im Salzburger Land und in Tirol, mit wilden „Schiachperchten“ (hässlichen Perchten) und schön geschmückten „Schönperchten“. Manche Familien räuchern in diesen Nächten ihr Haus mit Weihrauch aus.

Silvester und Neujahr

Zu Silvester (31. Dezember) schenkt man sich kleine Glücksbringer: Glücksschweinchen, vierblättrige Kleeblätter, Hufeisen oder Figuren von Rauchfangkehrern (Schornsteinfegern). Um Mitternacht läuten im Radio und Fernsehen die Glocken des Wiener Stephansdoms, danach wird zum Donauwalzer getanzt. Am Neujahrstag übertragen ORF und viele andere Sender das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker.

Sternsinger (rund um den 6. Jänner)

Zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag ziehen Kinder und Jugendliche, verkleidet als die Heiligen Drei Könige, von Haus zu Haus. Sie singen, sagen einen Segensspruch auf und sammeln Spenden für Hilfsprojekte in ärmeren Ländern. Organisiert wird das in Österreich von der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar.

Mit Kreide schreiben die Sternsinger dann einen Segen über die Tür, zum Beispiel *20 C + M + B + 27. Die Zahlen stehen für das Jahr, die Buchstaben für „Christus mansionem benedicat“** („Christus segne dieses Haus“). Viele lesen darin auch die Namen der drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar. Ob du öffnest und spendest, entscheidest du selbst; die Spende ist freiwillig.

Ballsaison

Österreich, vor allem Wien, ist für seine Bälle bekannt. Die Ballsaison beginnt laut WienTourismus am 11. November und hat ihren Höhepunkt im Jänner und Februar. In Wien finden jedes Jahr mehr als 450 Bälle statt. Fast jede Berufsgruppe, viele Vereine und Schulen veranstalten einen eigenen Ball, etwa den Zuckerbäckerball oder den Ball der Wiener Kaffeesieder. Der bekannteste ist der Wiener Opernball in der Staatsoper; 2027 findet er am 4. Februar statt.

Auch viele Maturaklassen (Abschlussklassen von Gymnasien) feiern einen Maturaball. Bei traditionellen Bällen tragen Damen meist lange Abendkleider, Herren Smoking oder Frack; bei vielen kleineren Bällen reicht ein Anzug. Der Dresscode steht auf der Eintrittskarte.

Fasching: die „fünfte Jahreszeit“

Der Fasching (in Westösterreich Fasnacht, anderswo Karneval) ist die ausgelassene Zeit vor der Fastenzeit. Offiziell beginnt er am 11. November um 11:11 Uhr, gefeiert wird aber vor allem in den letzten Tagen vor dem Aschermittwoch. Menschen verkleiden sich, es gibt Umzüge, Maskenbälle und Faschingskrapfen (mit Marmelade gefüllte Germteig-Krapfen). Kinder gehen am Faschingsdienstag verkleidet in Kindergarten und Schule. Der Faschingsdienstag ist 2027 am 9. Februar.

Mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit bis Ostern. Viele Menschen verzichten in dieser Zeit bewusst auf Fleisch, Alkohol oder Süßigkeiten.

Regionale Beispiele:

  • Imster Schemenlaufen (Tirol): Ein großer Maskenumzug, der nur alle vier Jahre stattfindet. 2012 wurde er als erste Kulturform aus Österreich in die internationale UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.
  • Funkensonntag (Vorarlberg, Außerfern): Am ersten Fastensonntag werden große Holztürme („Funken“) angezündet, oft mit einer Strohpuppe, der „Funkenhexe“, an der Spitze. Damit wird symbolisch der Winter verabschiedet.
  • Große Faschingsumzüge gibt es außerdem etwa in Villach (Kärnten) oder als „Fetzenfasching“ in Ebensee (Oberösterreich).
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Frühling: Ostern und Maibaum

Ostern

Ostern ist das wichtigste christliche Fest. Typische Bräuche:

  • Palmsonntag: Eine Woche vor Ostern tragen Gläubige geschmückte Palmbuschen aus Zweigen (oft Palmkätzchen) in die Kirche, um sie segnen zu lassen.
  • Ratschen: Von Gründonnerstag bis Karsamstag „schweigen“ die Kirchenglocken. Auf dem Land ziehen dann Kinder mit hölzernen Ratschen durch das Dorf und rufen die Gebetszeiten aus.
  • Osterfeuer: Vor allem in Südkärnten, der Steiermark und im Burgenland werden in der Osternacht Feuer entzündet.
  • Fleischweihe: Am Karsamstag oder Ostersonntag bringen viele einen Korb mit Schinken, Eiern, Kren (Meerrettich) und Osterbrot zur Segnung in die Kirche.
  • Ostereier und Osterhase: Kinder suchen am Ostersonntag bunt gefärbte Eier und Süßigkeiten, die der Osterhase versteckt hat. Beim Eierpecken schlagen zwei Personen ihre Eier aneinander; wessen Ei ganz bleibt, gewinnt.

Maibaum (1. Mai)

In vielen Dörfern und Stadtteilen wird am 1. Mai (oder am Abend davor) ein Maibaum aufgestellt: ein hoher, entrindeter Baumstamm mit einem Kranz und bunten Bändern. Danach gibt es ein Fest mit Musik. Beim Maibaumkraxeln versuchen junge Leute, den glatten Stamm hinaufzuklettern.

Ein bekannter Spaß: In den Nächten vor dem Aufstellen versuchen junge Leute aus Nachbarorten, den Maibaum zu stehlen. Gelingt das, muss der bestohlene Ort ihn mit einer Jause und Getränken „auslösen“. Das ist ein Spiel nach festen Regeln, kein echter Diebstahl.

Pfingsten: Unruhnacht und Kufenstechen

  • Unruhnacht: In manchen ländlichen Gemeinden spielen Jugendliche in der Nacht auf Pfingstmontag ihren Nachbarn Streiche: Sie verstecken Gartenmöbel, Blumentöpfe oder Fahrräder, die nicht gesichert sind, oder stellen sie am Dorfplatz ab. Der Tipp: lose Gegenstände in dieser Nacht wegräumen oder absperren. Echte Sachbeschädigung ist auch in dieser Nacht strafbar.
  • Kufenstechen (Kärnten): Im Gailtal reiten junge Männer in Tracht auf ungesattelten Pferden und schlagen mit Eisenkeulen auf ein Holzfass (die „Kufe“), bis es zerbricht. Danach folgt der Lindentanz unter der Dorflinde. Am bekanntesten ist das Kufenstechen in Feistritz an der Gail.

Sommer: Feuer in den Bergen

Sonnwend- und Johannisfeuer

Um die Sommersonnenwende im Juni, den längsten Tag des Jahres, brennen auf Bergen und Hügeln Sonnwendfeuer. Der Brauch stammt aus vorchristlicher Zeit. In der Nacht zum 24. Juni (Geburtstag Johannes des Täufers) gibt es vielerorts Johannisfeuer. Früher sprang man über das Feuer, um sich vor Unglück zu schützen.

Herz-Jesu-Feuer in Tirol

Eine Tiroler Besonderheit sind die Herz-Jesu-Feuer. Im Juni, am Wochenende des Herz-Jesu-Festes, leuchten auf vielen Berghängen Feuer in Form von Herzen, Kreuzen oder Zeichen wie „INRI“. Sie erinnern an ein Gelöbnis aus dem Jahr 1796: Damals versprachen die Tiroler, ihr Land dem „Heiligsten Herzen Jesu“ zu weihen, wenn sie vor den französischen Truppen Napoleons verschont blieben. Am schönsten sieht man die Feuer am Abend aus dem Tal, etwa rund um Innsbruck.

Bergfeuer sind ein beliebtes Fotomotiv. Bleib aber auf den Wegen und zünde nicht selbst Feuer an: Im Sommer gilt in vielen Bezirken wegen Waldbrandgefahr ein Feuerverbot.

Kirtag

Fast jede Gemeinde feiert einmal im Jahr ihren Kirtag (Kirchtag), ursprünglich das Fest der Weihe der eigenen Kirche. Heute gibt es dabei Marktstände, Musik, Essen und oft ein Ringelspiel (Karussell). Der Kirtag ist eine gute Gelegenheit, Nachbarinnen und Nachbarn kennenzulernen.

Herbst: Almabtrieb, Erntedank und Allerheiligen

Almabtrieb

Im Sommer weiden Kühe, Schafe und Ziegen auf den Almen, den Bergweiden. Im September und Oktober werden sie ins Tal zurückgetrieben. Ist der Sommer ohne Unglück verlaufen, schmücken die Bauern die Tiere mit Blumen, Bändern und großen Glocken. In vielen Orten in Tirol, Salzburg und Vorarlberg wird der Almabtrieb mit einem Fest gefeiert, das auch viele Gäste anzieht.

Erntedank

Rund um Ende September und Anfang Oktober danken die Pfarren für die Ernte. Eine Erntekrone aus Getreide wird in einem Umzug zur Kirche getragen und gesegnet.

Allerheiligen und Allerseelen

Am 1. und 2. November besuchen viele Familien die Gräber ihrer Verstorbenen. Die Gräber werden geschmückt, und es brennen Kerzen in roten „Grablichtern“. Eine typische Mehlspeise ist der geflochtene Allerheiligenstriezel, den Patinnen und Paten ihren Patenkindern schenken. Es ist eine ruhige, besinnliche Zeit.

Martini (11. November)

Am Tag des heiligen Martin essen viele Martinigansl (Gänsebraten mit Rotkraut und Knödeln). In Kindergärten basteln Kinder Laternen und gehen bei Dunkelheit in einem Laternenumzug mit. Im Burgenland ist der heilige Martin Landespatron.

Mitmachen oder nicht?

Bräuche sind ein guter Weg, Menschen kennenzulernen und Deutsch im Alltag zu üben. Die meisten Feste sind öffentlich und offen für alle. Ein paar Hinweise:

  • Fragen ist willkommen: Wenn du einen Brauch nicht verstehst, frag nach. Die meisten Menschen erklären gerne, was sie tun.
  • Freiwilligkeit: Niemand muss an religiösen Bräuchen teilnehmen. Zuschauen ist immer in Ordnung, und viele Bräuche werden heute auch von nicht religiösen Menschen gefeiert.
  • Kindergarten und Schule: Feste wie Nikolaus, Martini oder Fasching gehören oft zum Jahresablauf. Hast du Bedenken, sprich offen mit den Pädagoginnen und Pädagogen.
  • Eigene Traditionen teilen: Auch die Feste, die du aus deiner Herkunft mitbringst, sind Teil des Lebens in Österreich. Viele Gemeinden, Vereine und Schulen freuen sich, wenn du davon erzählst.
Diese Informationen wurden sorgfältig anhand offizieller Quellen erstellt (Stand: Oktober 2026). Bräuche unterscheiden sich von Ort zu Ort. Genaue Termine und Auskünfte erhältst du bei deiner Gemeinde, Pfarre oder dem örtlichen Tourismusverband.
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